Höhlsgasse – Eine Zwischenbilanz

Mittlerweile steht in der Höhlsgasse 6 das Kellergeschoß. Der Neubau ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Zeit für eine erste „Nachlese“ aus weiter entfernter Perspektive.

Mit wachsender Furcht um den Euro und infolge gesetzlicher Vorgaben für private Renten- und Lebensversicherer drängt zunehmend Kapital in Immobilien, seit jeher noch beflügelt durch Geldwäscheaktivitäten. Der hiesige Investor hat sein Geld redlich mit Blutwäsche verdient. Allerdings geben die naturwissenschaftlichen Hochschulbauten auf den Lahnbergen, die weiland Vater Wilhelm Küllmer als Leiter des Hessischen Staatsbauamtes Marburg zu verantworten hatte – man erinnert sich an undichte Dächer, aufquellende Dämm-matten und infolgedessen herabfallende Deckenverkleidungen kurz nach Bezug 1972 und kennt den maroden Zustand heute– Anlass zur Sorge, dass der Sohn, Dr. med. Bernd, sein von Bruder Manfred geschaffenes Betongold noch zu Lebzeiten zerbröseln sieht.

Den Anwohnern der Höhlsgasse wird ihr Wohnumfeld durch einen völlig überdimensionierten Protzbau verhunzt, der mit Stilelementen daherkommt, die bei Clemens Klotz entlehnt sein könnten. Man wird von einer Wertminderung von kumulativ 100.000€ ausgehen können. Der Vorgang schien mir nach einem frappierend ähnlichen Drehbuch abzulaufen, wie 1998, als die Kuppe des Hasenküppels mit 9 Reihenhäusern vor der Terrasse meines Elternhauses zubetoniert wurde. Hier wie dort spielten E. Vaupel, J. Rausch und Dr. R. Schallemacher eine verhängnisvolle Rolle.

Dass in Marburg Steuergelder verschleudert werden –siehe z. B. Beihilfeskandal -, sich rote Politiker mit dem Rotlichmilieu gemein machen – siehe Bordellskandal – und über Generationen aufgebautes Gemeineigentum weit unter Wert veräußert wird, – alles geschenkt, da macht sich keiner einen Kopf drum. Die Verhunzung der Ketzerbach mit dem Dr. Kahle-Pissoir in der Mitte, hässliche Bauten entlang der Westseite der Stadtautobahn, zunehmende Sabotage des ruhenden und fließenden Verkehrs in der Marburger Innenstadt –das haben wir geschluckt.

Wenn aber massiv, ungleich und willkürlich ins Eigentum einzelner Bürger eingegriffen wird, hört der Spaß auf. Die Stadt hätte in der Höhlsgasse die Möglichkeit gehabt, mit Aufstellungsbeschluss, Zurückstellung, später Veränderungssperre und Erstbeplanung den Neubau zu verhindern – sie wollte aber bauen. Dies hat hoffentlich einigen weiteren Bürgern die Augen geöffnet, dass Politik und Verwaltung mitunter nicht nur an den Bürgern vorbei, sondern massiv gegen die Bürger arbeiten.

Wir werden infolge Verschuldung der öffentlichen Hand noch Eingriffe in unser Privateigentum erleben, die sich viele heute nicht ansatzweise vorstellen können.
Es gibt das Sprichwort, wer die Demokratie verschläft, wird in der Diktatur aufwachen.

Einige Anwohner der Höhlsgasse haben sich -ihrer Zeit schon voraus- als wacher Vorkämpfer für die Verteidigung von Demokratie, Eigentum und Freiheit erwiesen. Ihr Engagement kann gar nicht hoch genug anerkannt werden, schließlich kann es jeden anderen genauso treffen.

Es ist zu hoffen, dass nach und nach mehr Bürger die sehr vielfältigen legalen, außerparteilichen Möglichkeiten entdecken, sich gegen die Willkür von Klüngeln aus der Kommunalpolitik zur Wehr zu setzen bzw. den Parlamentariern nachdrücklich den Bürgerwillen einzuimpfen.

Dr. Andreas Matusch

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