Informationsveranstaltung des Magistrats am 4. Oktober: Wo blieben die Bauherren und ihr Architekt?

Die Oberhessische Presse berichtete am 6. Oktober erneut sehr ausführlich. Hier einige Ergänzungen von Seiten der zur Veranstaltung geladenen Anlieger.
Die allein dem Druck der Öffentlichkeit zu verdankende Informationsveranstaltung, zu der sich die verantwortlichen Vertreter des Magistrats und der Stadtverwaltung auf einem Podium im Bauamt versammelten, erbrachte leider keinerlei Kompromissbereitschaft von Seiten der abwesenden Bauherrnschaft. Auch die anschließende Vermittlung des Bürgermeisters Dr. Kahle hatte bislang keinerlei Erfolg. Vielmehr wurde die mit Postern und Projektionen aufwendig dokumentierte Präsentation des Neubaus von den geladenen Anliegern nur als Rechtfertigung des unglücklichen Genehmigungsbescheids wahrgenommen. Trotz der in großer Zahl zusammengetragenen Pläne und Zeichnungen konnten die präsentierten Ansichten des ‚Klotzes‘ die Zweifel der Anwesenden an dessen Einfügen in die Umgebung nicht ausräumen. Man hatte vielmehr den Eindruck, die Maßlosigkeit des fehlplatzierten Bauvorhabens sollte verharmlost werden – so fehlten z.B. bei sämtlichen Ansichten die zur objektiven Beurteilung notwendigen Maße. Nicht einmal die Frage nach der exakten Höhe des Baus konnte von der Sachbearbeiterin korrekt genannt werden. Hinzu kam aus dem Kreis der Anlieger der Hinweis auf maßstäbliche Fehler im Geländeschnitt, der den Neubau in Relation zu den Nachbargebäuden setzen sollte. Auch die vorgetragene Abtrennung der eigentlichen Wohnfläche mit 400 qm von den insgesamt 900 qm stieß auf völliges Unverständnis bei den Zuhörern. Warum sollen die wohl für die Freizeitbeschäftigung und die Technik bestimmten weiteren 500 qm gesondert gerechnet werden? Das die Anlieger störende Bauvolumen bleibt unverändert groß. Die Tendenz zur Verniedlichung des immensen Baus offenbart die vom Architekten veröffentlichte Schrägansicht mit überproportionaler Figurenstaffage. Die Taktik ist durchschaut: 9,5 m Höhe werden verschleiert und die gewaltigen klinikähnlichen Fensterfluchten nach Norden und Westen nur angedeutet.
Die Vertreter des Magistrats ließen keine Zweifel an Ihrer Überzeugung von der Gesetzmäßigkeit der von ihnen erteilten Baugenehmigung und ließen, den Bauherrn schützend, die Anlieger spüren, dass Ihnen nur die Möglichkeit der Klage bleibt: Überheblichkeit im Minenspiel der dem Baudezernenten unterstellten Vertreter auf dem Podium statt Engagement für die besorgten Bürger, die mit großer Empörung und Empathie ihre Einwände vortrugen.
Das geht so nicht – der Protest geht weiter!

Verharmlosende Ansicht des Neubaus von der Höhlsgasse aus, wie er auf der Veranstaltung des Magistrats präsentiert wurde und in der Fußgängerpassage des Lahn-Centers der Öffentlichkeit zu Werbezwecken gezeigt wird. Den Anliegern der Höhlsgasse wurde die Ansicht durch ein Flugblatt des Bauherrn bekannt. Maßangaben wurden auf der Zeichnung weggelassen: Die Vorhalle ist ca. 7 m, das Staffelgeschoss ca. 9,50 m hoch. Die Höhe der an der Westseite sichtbaren vier Ebenen beträgt insgesamt ca. 12,50 m. Die gesamte Länge von 25 m ist auf der Zeichnung perspektivisch verkürzt.

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2 Kommentare zu “Informationsveranstaltung des Magistrats am 4. Oktober: Wo blieben die Bauherren und ihr Architekt?
  1. Andreas sagt:

    In dieser Architektur à la Clemens Klotz stecken eine Reihe faschistoider Stilelemente – Betonung der Vertikalen, bewußt klobiger Aspekt, als Fenster schmale Rechtecke hochkant (-es fehlen eigentlich nur noch Wandreliefs mit klobigen Figuren rechts und links der Eingangshalle- ) nebst Farbzitaten aus dem Exkrementenbereich.

    Insgesamt eine klassische lose-lose Situation für Bewohner und Anwohner.
    Und dass es bei Flachdächern immer wieder hereinregnet, haben schon nach der großen Bungalow- Flachdach Modewelle der 60er und 70er Jahre die Hausbesitzer schmerzlich erfahren müssen, mittlerweile wurde auf gefühlt der Hälfte der Bauten ein Schrägdach nachgerüstet.
    In den letzten Jahren erleben wir erneut so eine Modewelle einer Architektur, die so ausschaut, wie übereinandergestapelte Schuhkartons. Eine Vielzahl von Bauherren möchte hier offenbar unbedingt erneut gegen die Wand laufen.

    Derartige optischen Immisionen (Optosmog) berühren schon fast Tatbestände nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz.

    In der wünschenswerten Behandlung eines Kommunalpolitikers und eines Lexikons wurden gewisse Gemeinsamkeiten gesehen.

  2. B.-L.-H.M. sagt:

    Da muss ich Ihnen voll zustimmen. Hier hat sich ein Architekt und ein Bauherr ein Denkmal setzen wollen, denn das ganze wirkt wie ein Mausuleum. Man kann sich ja schon zu Lebzeiten einmauern. Was das mit Bauhaus Architektur zu tun haben soll, wie in der Sitzung (am 4. Oktober 2012) geaussert wurde, ist mir nicht ganz klar. Andere in der Innenstadt gelungene neue Bauvorhaben, die sich sensibel in die bestehenden Bausubstanzen einreihen, wurden als langweile Architektur dargestellt! Die damaligen Architekten dieser Aere werden sich im Grabe umdrehen, wenn sie das hoeren und sehen wuerden! Wer sich hiermit noch profilieren will und der Buergerinitiative und den zu dieser Sitzung versammelten Buergern mit einem suffisanten Laecheln Rede und Antwort zu stehen, entgegentritt, der trampelt auf den Gefuehlen und dem normalen Rechtsempfinden der Buerger herum!

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