Mediale Würdigung der geplanten Vitos-Bebauung

Brief von Dr. Andreas Matusch an zwei Redakteure der Oberhessischen Presse
Sehr geehrte Frau Ntemiris, sehr geehrter Herr Conrad,

eine ganze Reihe von Mitbürgern aus der betroffenen Öffentlichkeit, die ich am Wochenende traf, haben sich sehr über die mediale Würdigung der geplanten Vitos-Bebauung  durch Ihren Artikel, sehr geehrter Herr Conrad, vom letzten Samstag gefreut.

Nun wird Sie und Kollegen möglicherweise der Fortgang der Ereignisse interessieren:

Gestern, am 21.06.2015, haben 7 Bürger aus der Nachbarschaft und ich beiliegende Anfechtungsklage beim VG-Gießen gegen die Rodungsgenehmigung des Kreises an Vitos vom 14.01.2015 eingelegt. Dies wurde auch photographisch festgehalten. Die Mitkläger möchten derzeit anonym bleiben, sind aber im Übrigen mit einer öffentlichen Erwähnung bzw. Veröffentlichungen aus dem Klagetext einverstanden.

Insgesamt richtet sich unser Engagement natürlich gegen die geplante Bebauung im Eck des Vitos-Geländes mit 186 Wohnungen.

Da uns die rechtliche Handhabe gegen die Rodungsgenehmigung günstig erschien, trafen wir neben einem ganzen Blumenstrauß von Maßnahmen auch diese. Dementsprechend dreht sich die Argumentation vorwiegend um die Schutzfunktion des Waldes für Nachbarschaft sowie Patienten und Nutzer des Klinikgeländes. Für das von Ihnen erwähnte Vogelschutzgutachten hat Herr Prof. Kraft mittlerweile meinen Auftrag angenommen.

Die wesentlichste Befürchtung großer Teile der Nachbarschaft ist aber, dass die jetzt schon sehr angespannte soziale Lage mit Arbeitslosigkeit, häuslicher Gewalt, Verwahrlosung, Drogen- und Gewaltkriminalität bei Zuzug weiterer ca. 200 – 300 Bewohner in die geplanten 98 Sozialwohnungen unerträglich wird. Das Viertel droht sozial umzukippen und zum Brennpunkt zu werden. Derzeit kümmern sich einige Anwohner in rührender Weise um ihre Nachbarn, bieten z.B. den Kindern Orientierung, Geborgenheit, Anschluss, helfen bei schulischen Belangen. Sie helfen in allen möglichen Problemlagen des Lebens, bei Papierkram oder geben z. B. Sprachunterricht – alles unentgeltlich. Diese „Kümmerer“ werden aber noch weiteren Zuzug nicht mehr auffangen können und drohen ihrerseits selbst aus dem Viertel vergrault zu werden.

Erbost sind zahlreiche Bürger über den kommunalpolitischen Dreiklang

  1. Verschleuderung öffentlichen Eigentums
  2. Abschöpfung von Planungsgewinnen (hier 5,9 Mio €)
  3. Postenversorgung von Parteikadern in metastasengleichen Tochterunternehmen der öffentlichen Hand

welcher sich in der Vitos-Bebauung und ihrer Planung unter einem allzu durchsichtigen sozialen Deckmäntelchen voll wiederfindet.

Entgeistert waren zahlreiche Anwohner über die Gedankenlosigkeit, mit der Stadtverordnete, welche selbst unmittelbar vor Ort wohnen, Aufstellungs- und Offenlegungsbeschluss zum Vitos-Bebauungsplan zustimmten.

Natürlich wäre für die ca. 2300 Bewohner des unteren Richtsberges doch etwas mehr Präzision als im Artikel vom 20.06.2015 bei der Positionierung der OB-Kandidaten von Interesse. Es wäre eigentlich nur jemand wählbar, der klipp und klar gegen jegliche weitere Bebauung des Vitos-Parks, weder am jetzt vorgesehenen Eck noch auf dem „Stadtbalkon“ noch anderswo auf dem Gelände spricht und handelt.

Von Politiker-Sprech nach bürgerverständlich würde ich einmal so übersetzen: Herr Bamberger könnte sich vorstellen, das Vorhaben abzuspecken, Herr Dr. Spies hat keine Lust auf das Thema. Herr Dr. Spies machte sich bereits u.a. beim Sonntagsspaziergang am 12.04.2015 ein Bild von der Lage vor Ort. Derzeit sind 98 Sozialwohnungen + 88 frei vermarktbare Wohnungen geplant. Wer möchte wieviel wo bauen? Wie weit kann von den Bestandsbauten Cappeler Str. 132-138 abgerückt werden? Kann der intensiv genutzte Bolzplatz am Eck im Eigentum der Kirche erhalten werden?

Da zu befürchten steht, dass noch dieses Jahr unter Vaupel der Vitos-Bebauungsplan als Satzung beschlossen wird, wäre die Frage auch zu präzisieren, in wie weit die Kandidaten auch schon vor Amtsantritt Ihren Einfluss geltend machen wollen.

Viele Grüße,

Andreas Matusch

Am 21.06.2015 haben 7 Bürger aus der Nachbarschaft des Vitos-Geländes und Dr. Andreas Matusch Anfechtungsklage beim Verwaltungsgericht Gießen gegen die Rodungsgenehmigung des Kreises eingereicht

Am 21.06.2015 haben 7 Bürger aus der Nachbarschaft des Vitos-Geländes und Dr. Andreas Matusch Anfechtungsklage beim Verwaltungsgericht Gießen gegen die Rodungsgenehmigung des Kreises eingereicht

Anlagen:

Rodungsantrag Vitos 12.2014

Vitos_Rodungsgenehmigung v 14.01.2015 ohne Rechtsmittelbelehrung

Anfechtungsklage Rodungsgenehmigung_21.06.2015_anonym

Cappeler-Straße-Stellungnahme-1 kompakt allgemein

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